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Sieben Versionen von mir – und warum keine davon ganz stimmte

Ein Jahr "Quo Vadis" - bis zur Klarheit

Über ein Jahr, dass es FiYouNa gibt und in dieser Zeit habe ich mindestens siebenmal neu aufgeschrieben, wofür FiYouNa steht, wen sie erreichen will und was der Sinn ist. Und irgendwie hat sich der Prozess meistens zäh angefühlt. Irgendwann habe ich dann gedacht „Ja, das könnte es sein.“ Und spätestens ein paar Wochen später, hat sich der Text wieder falsch angefühlt.

Bewusst wurde mir das auch immer, wenn mich jemand gefragt hat was ich mit FiYouNa mache und ich es erklären wollte. Ging nicht. Also irgendwie schon, aber so ohne, dass ich wirklich dahinter stand.

Eher so ein „Ja also, ich biete da Sachen draußén an, mit Pflanzen und wir …..“ Bullshit. Jedes Mal wenn ich am reden war, hatte ich innerliche Schweißausbrüche.

Mein Körper hat mir genau gezeigt, dass es Mist ist, was ich erzähle.

Heute versteht ich endlich, warum. Ich will euch die Reise zeigen – nicht, weil sie besonders elegant war, sondern weil sie ziemlich genau zeigt, wie man sich manchmal selbst im Weg steht, wenn man versucht, „das Richtige“ zu tun.

Version 1: Ganz nah dran, ganz roh

FiYouNa ist aus einer sehr harten Zeit in meinem Leben entstanden. Ich hatte Wege und Methoden entwickelt um damit klar zu kommen und da ich mir selbst gewünscht hätte vieles davon einfach schon früher gewusst zu haben, entstand der Gedanke dies weiterzugeben. Die erste Version meiner Positionierung war entsprechend konkret: Begleitung für Mütter, die stark sein müssen und trotzdem nicht mehr können.

Standhalten. Loslassen. Ankommen.

Der Text war ehrlich. Vielleicht zu ehrlich. Er hat sich angefühlt, als würde ich meine eigene Geschichte als Aushängeschild benutzen. Und er war so eng, dass er fast niemanden erreicht hat außer mir selbst, in der Vergangenheit.

Version 2 bis 4: Weiter, weiter, weiter

Also hab ich geweitet. Aus der sehr persönlichen ersten Version wurden „Frauen in der Lebensmitte, die spüren, dass etwas ins Wanken geraten ist“. Klang schon runder. Professioneller. Ich hab von Coaching nach der liegenden Acht geschrieben, von der strukturierten Klarheit der Ingenieurin, von innerer Ruhe und klarer Ausrichtung.

Das Problem: Je breiter der Text wurde, desto mehr hab ich mich selbst darin verloren. Ich klang wie eine von hunderten Coachinnen, die Frauen helfen, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Das war nicht gelogen. Aber es war auch nicht ich.

Version 5 bis 7: Der Impuls-Versuch

Ehrlich gesagt wollte ich nie nur Coachin sein. Auch in den Versionen, die stark nach Coaching klangen, habe ich mich selbst immer als Impulsgeberin gesehen – jemand, die etwas anstößt, nicht jemand, die „behandelt“. Also habe ich irgendwann angefangen, das auch so zu schreiben. „Kein Rezept. Kein Muss. Nur mein Weg – als ehrlicher Impuls für deinen.“ Das war schon näher dran. Ich habe angefangen, ehrlicher über mein eigenes Nicht-am-Ziel-Sein zu schreiben, über Räuchern, Meditation, was mir geholfen hat.

Und trotzdem – auch das hat sich nie ganz richtig angefühlt. Als ich mir die Texte noch mal in Ruhe durchgelesen habe, ist mir etwas aufgefallen, das ich vorher nicht sehen konnte: Fast jeder Satz hatte dieselbe Struktur. Ich zeige dir. Ich teile mit dir. Folge mir. Ich – du. Immer diese eine Richtung. Ich oben, mit meinem Weg. Du unten, auf der Suche nach deinem. Auch als Impulsgeberin war ich noch die, die gibt – nicht die, die genauso viel bekommt.

Ich hab mich gefragt: Ist es das, was ich eigentlich will?

Der Punkt, an dem es kippte

Nein. Ganz und gar nicht.

Was ich eigentlich will, ist am Feuer sitzen und Gitarre spielen, während andere mitsingen, ob sie können oder nicht (Ich kann auch nicht so prickelnd Gitarre spielen.). Ich will diskutieren – über Politik äh, nein nicht wirklich aber über die Dinge dir dir zum Beispiel Spaß machen – die dich total begeistern, über Sinn oder Tod, über die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, und danach will ich mit dir zusammen weiter reden und lachen. Ich will, dass jemand mir erzählt, was er zum Beispiel über Pilze weiß. Ich will neues lernen, zuhören und lachen. Ich will nicht die sein, die vorne steht und heilt. Ich will mittendrin sitzen.

Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Meine ganze Positionierung war die falsche Frage. Ich hab mich gefragt „Wie helfe ich Menschen?“ Aber ich wollte eigentlich fragen: „Mit wem will ich mein Leben teilen?“

Das ist ein riesiger Unterschied. Helfen heißt: Ich hab was, du brauchst was, ich gebe es dir. Teilen heißt: Wir bringen beide was mit, und keiner von uns ist fertig.

Was jetzt anders ist

FiYouNa ist jetzt keine Anleitung mehr. Es ist eine Einladung. Für Menschen, die eine schwere Zeit hinter sich haben und daraus nicht Rückzug gemacht haben, sondern Neugier. Die rausgehen wollen, statt sich zu verschließen. Die sich mit dem beschäftigen wollen, was sie wirklich interessiert – Natur, Bücher, das große Ganze, oder auch einfach die Frage, wie man ein anständiges Feuer macht, ohne dreimal Anzünder zu verbrauchen.

Ich bin dabei nicht die Coachin, die vorne steht. Ich bin die, die die ersten Impulse reinwirft – und dann genauso gespannt ist, was daraus wird, wie alle anderen. Ich hab Dinge zu geben: Pflanzenwissen, Fragen, die weiterbringen, ein paar Lieder. Aber ich hab auch Dinge zu lernen, jedes Mal, wenn ich mit jemand Neuem am Feuer sitze.

Sieben Versionen hat es gebraucht, um das zu verstehen. Wahrscheinlich, weil ich lange dachte, ich müsste eine Rolle ausfüllen – die Coachin, die Impulsgeberin, die Begleiterin. Dabei war das nie wirklich das was ich will.

Wenn dir das genauso geht – komm vorbei. Nicht, weil ich dir helfen will. Sondern weil ich neugierig bin, wer du bist.