Hast du auch diese Freunde oder Bekannte, die so ganz unterschiedlich sind?
Der eine, der seit zehn Jahren an den gleichen Urlaubsort fährt – gleiches Hotel, gleicher Strand, gleiche Eisdiele?.
„Das ist so schön, da kenne ich alles. Da fängt der Urlaub gleich an.“

Und der andere der es keine drei Tage am gleichen Ort aushält, schon beim zweiten Frühstück nervös wird und denkt „Okay… gesehen. Und jetzt?“

Oder der eine, für den Ehrlichkeit das höchste Gut ist und der manchmal so schmerzhaft ehrlich ist, während die andere lieber taktvoll ausweicht, Dinge beschönigt oder sogar verdreht, wenn es nur dem Frieden dient?
Das ist kein Zufall.
Und es ist auch keine Frage von richtig oder falsch.
- Das sind Werte.
Und sie wirken – ob wir sie kennen oder nicht.
Werte wirken immer – bewusst oder unbewusst.
Das konnte ich bei mir selbst erleben.
Ich habe mich immer wieder mal bei Firmen beworben, die selbst produzieren und dafür einen Ingenieur suchten der den Laden am Laufen hält.
An sich klang das interessant.
Dinge länger sehen, Erfahrungen sammeln. Dranbleiben.
Die Gespräche waren gut, das Umfeld sah gut aus –
aber in mir blieb immer ein innerer Widerstand, den ich lange nicht verstanden habe.
Bis klar wurde:
Hier hatte der Verstand nichts zu sagen.
Auch wenn äußerlich alles passte, wäre ich gegen einen meiner Hauptwerte unterwegs gewesen.
Und zwar gegen die Neugierde
Das klingt banal, bedeutet in der Praxis aber:

- Wiederholung ermüdet mich schnell
- Routine fühlt sich enger an als Sicherheit
- Ich blühe auf, wenn etwas neu, ungeordnet oder ungeklärt ist
→ Stress entsteht für mich nicht im Chaos, sondern wenn es immer das gleiche bleibt.
Ein Job, bei dem eine Anlage jahrelang gleichläuft?
Für andere ein Traum.
Für mich: innerlicher Dauerwiderstand.
Diese Erkenntnis hat viele Entscheidungen im Nachhinein erklärt –
und zukünftige enorm erleichtert.
Werte sind nicht das, was du gut kannst
Ein Punkt, den viele verwechseln:
Werte sind keine Eigenschaften.
Oder anders gesagt:
- Eigenschaften beschreiben, wie du etwas tust
- Werte beschreiben, warum dich etwas motiviert – oder eben auch nicht
Ein Beispiel:
Du kannst sehr diszipliniert sein.
Dranbleiben. Funktionieren. Nicht aufgeben.
Und trotzdem ist Beständigkeit kein Wert für dich.
Vielleicht hältst du durch, weil du Erwartungen erfüllen willst
oder weil Aufgeben sich falsch anfühlt –
nicht, weil dir das Bleiben wichtig ist.
Wenn Beständigkeit dein Wert ist, fühlt sich Dranbleiben ruhig und stabil an.
Wenn nicht, kostest es dich Kraft und Substanz.
- Disziplin = Eigenschaft.
- Beständigkeit = Wert.
Kennst du auch Menschen, die unglaublich kompetent, leistungsfähig und diszipliniert sind –
aber innerlich leer, weil sie für Werte arbeiten, die nicht ihre eigenen sind?
Oder ein anderes Beispiel:
Du kannst freundlich sein. Entgegenkommend. Harmonisch. Rücksichtsvoll.
Und trotzdem fehlt Respekt – vor dir selbst.
Vielleicht vermeidest du Konflikte, weil Spannung für dich schwer auszuhalten ist – nicht, weil gegenseitige Achtung dein innerer Maßstab ist.
Wenn Respekt dein Wert ist,
gehört Freundlichkeit genauso dazu wie klare Grenzen.
Wenn nicht, wird Freundlichkeit schnell zu Anpassung.
- Freundlichkeit = Eigenschaft.
- Respekt = Wert.
Werte verändern sich –das ist Entwicklung
Auch das habe ich selbst erlebt.
Es gibt Werte, die sich immer wieder zeigen – unabhängig von Lebensphase oder äußeren Umständen.
Neugierde und Optimismus gehören für mich dazu. Sie sind langjährige, verlässliche Begleiter.
Ob mit Anfang 20, als ich zitternd zum ersten Mal in ein Flugzeug stieg,
mit etwa 200 Worten Spanisch im Gepäck und dem Ziel Chile.
Der Partner, mit dem ich die Reise geplant hatte, war kurzfristig abgesprungen.
Und trotzdem war mir der Wunsch, dieses Land zu sehen, wichtiger als die Angst.
Oder in den letzten Jahren, in denen ich beruflich wie privat immer wieder Neuland betreten habe.
Neue Themen, neue Perspektiven, neue Lernfelder.
Nicht, weil es leicht war – sondern weil es mich dorthin gedrängt hat.
Andere Werte haben sich im Laufe der Zeit verändert.
Viele Jahre war Anerkennung ein starker Antreiber:
gesehen werden, dazugehören, dieses „Ich kann das auch.“ –
manchmal sogar „Ich kann das besser.“
Heute ist das in den Hintergrund getreten.
Ich bin noch immer ehrgeizig. Ich leiste noch immer gern – wenn es mir Freude macht.
Aber der innere Antrieb hat sich verschoben.
Er kommt heute mehr aus mir heraus,
aus Neugierde, aus innerem „Wissen wollen“.
Die Anerkennung anderer hat nicht mehr die Bedeutung, die sie einmal hatte.
Vor zwanzig Jahren hätten mich die irritierten Blicke gebremst,
wenn ich mich auf ein Abenteuer wie „das Räuchern wirklich zu verstehen“ eingelassen hätte.
Heute berühren sie mich kaum noch.
Das ist kein Zeichen von Unklarheit.
Das ist Entwicklung.

Problematisch wird es erst dann,
wenn wir glauben, Werte müssten ein Leben lang gleich bleiben –
obwohl wir selbst uns verändern..
Was passiert, wenn du deine Werte kennst?
Für mich hat sich vor allem eines drastisch verändert:
Entscheidungen wurden schneller – und klarer.
Weniger Grübeln.
Weniger Rechtfertigen.
Mehr inneres „Ja, das passt“ – oder „Nein, das bin ich nicht“.

Werte helfen dir:
- Entscheidungen nicht nur logisch, sondern stimmig zu treffen
- dich selbst weniger zu verurteilen
- Muster zu erkennen („Warum lande ich immer wieder hier?“)
- loszulassen, was objektiv gut, aber subjektiv falsch ist
Und ja – auch die Wissenschaft bestätigt das inzwischen:
Menschen, die ihre Werte kennen und nach ihnen handeln,
erleben häufiger Sinn, Zufriedenheit und psychisches Wohlbefinden.
Wie du deinen eigenen Werten auf die Spur kommst
Werte zeigen sich selten im Kopf.
Sie zeigen sich im Alltag.
Zum Beispiel hier:
- Worüber regst du dich unverhältnismäßig auf?
- Was macht dich schnell müde – obwohl es „eigentlich gut“ ist?
- Wann fühlst du dich lebendig, wach, klar?
Wenn du einen strukturierten Einstieg suchst,
kann ein Test hilfreich sein – nicht als Schublade,
sondern als Spiegel.
Eine Möglichkeit ist der Wertefinder von „Ein guter Plan“:
https://einguterplan.de/werte-test/
Probiere ihn gerne mal aus. Achte aber auch auf dein erstes Bauchgefühl beim Ergebnis.
Was war dein Gefühl beim lesen?
Kam etwas hoch? Ein Gedanke. Ein Gefühl. Eine leise Erkenntnis?
Nimm dir gerne einen Moment um hineinzuspüren.
Was ist dir wirklich wichtig?
Und was fühlt sich „falsch“ an?
Wenn du magst, teile gerne, war du für dich entdeckt hast.
Manchmal beginnt Klarheit genau dann, wenn wir es aussprechen.