Imbolc ist eines dieser leisen Feste. Kein großes Feuer, keine Erntejubel, keine mettrunkenen Gelage, in denen auf die Götter getrunken wurde.
Eher ein Hinspüren in einer Zeit, in der die Vorräte nicht mehr so reichhaltig waren. Der Winter hatte bereits an Mensch und Natur gezehrt, und die Kälte nagte an den letzten Reserven.
Ich kann mir kaum vorstellen, wie es war in einer Zeit, in der das Überleben davon abhing, was eingelagert war. Wie gut man geerntet hatte, wie gut man aufbewahren konnte oder wie viel Glück man bei der Jagd hatte.

Und dann – zwischen der Wintersonnenwende Jul und der Frühlingstagundnachtgleiche, um den 1. Februar – ein Fest des Lichts in einer Übergangszeit. Die Tage werden schon länger. An manchen sonnigen Tagen fühlt es sich bereits ein wenig nach Frühling an. Vielleicht finden wir die ersten kleinen Kräuter. Noch ganz zart, ganz nah am Boden, aber dennoch frisch. Die ersten Haselkätzchen. Die ersten Zeichen, dass der Winter zu Ende geht.
Ein erstes Gefühl von: „Da bewegt sich etwas.“
Wie das erste Spüren des ungeborenen Kindes im Mutterleib.
Woher kommt Imbolc?
Imbolc stammt aus dem keltischen Jahreskreis und war vor allem in Irland, Schottland und Teilen Britanniens verbreitet. Der Name soll vom altirischen “i mbolg” abgeleitet sein, was so viel bedeutet wie „im Bauch“ – ein sehr treffendes Bild für die Qualität dieser Jahreszeit:
Das Leben ist noch verborgen, aber es ist da.
Sagen & Mythen rund um Imbolc
Imbolc ist mit der irischen Göttin Brigid verbunden. Einer Muttergöttin, die über das Feuer herrscht. Ihr keltischer Name bedeutet die Strahlende, die Mächtige oder die Erhabene. Sie ist die Schutzgöttin der Schmiedkunst, der Dichtkunst und des Heilens. Die Göttin der Weisheit und der Poesie. Sie wacht über das Herdfeuer und über die Familien.
Und sie ist ein Aspekt der drei Verkörperungen der großen Göttin. Sie als Jungfrau gehört zusammen mit Dana, der Mutter, und Anu, der Greisin.
Sie wird aber auch zusammen mit Cailleach und Modron als Göttinnen gesehen, die über die Jahreszeiten herrschen. Cailleach ist der karge, zerstörerische Aspekt des Winters, Brigid der Frühling und das Erwachen der Natur, und Modron die reife Fülle des Sommers.
Eine kleine Anmerkung von mir:
Besonders spannend finde ich, dass es in vielen alten Mythen diese weibliche Trias gibt. Ob es die Nornen unter der Weltenesche sind, die unsere Schicksalsfäden spinnen, ob es die drei Göttinnen sind, die für Familie, Liebe und Weisheit stehen und mit ihrer Frage, wer von ihnen den Apfel für die schönste Göttin erhalten soll, den armen Paris in sein Schicksal stürzen – oder nun diese drei Seiten der Göttin.
Später wird diese Trias überwiegend männlich, und drei weibliche Aspekte kommen eher verdeckt vor, etwa als „die drei heiligen Madln“ (Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Rad – das sind die drei heiligen Madln).
Aber zurück zu unserem Lichtfest:
Es gibt Quellen aus dem 9.–10. Jahrhundert, in denen Imbolc erwähnt wird. Vermutlich sind seine Ursprünge jedoch noch viel älter.
Imbolc & die Natur – was passiert da eigentlich?
Auch wenn es noch Winter ist – in der Natur passiert viel.
- Schafe beginnen zu lammen.
- Erste Pflanzen, wie das Schneeglöckchen, zeigen sich
- Die Tage werden spürbar länger.
Alte Bräuche
An Imbolc drehte sich alles um Reinigung, Schutz und Vorbereitung. Von der Qualität geht es nicht um Tun, sondern um Ausrichtung.
- Typische Rituale waren:
- Kerzen anzünden – das Licht wird zurückgerufen.
- Hausreinigung & Ausräuchern.
- Segnung von Brunnen & Quellen.
- Orakel und Schutzrituale.

Christliche Adaption. Maria Lichtmess
Mit der Christianisierung verschwand Imbolc nicht – es wandelte sich nur und wurde zu Maria Lichtmess, dass am 2. Februar gefeiert wird.
Und einiges der neuen Symbole birgt noch das Alte in sich. Die Referenz zu Maria, das weihen der Kerzen und das Ende der Weihnachtszeit, was auch den Anfang von etwas Neuem symbolisiert.
Und die alte, mächtige Göttin wurde zu einer neuen Heiligen.
Wie kannst du Imbolc heute für dich nutzen?
In diesem Jahr fällt Imbolc genau mit dem Vollmond zusammen. Und wie der Mond manchmal wirre Träume mit sich bringt, so kann er auch deine Emotionen und deine Verbindung zu dir selbst verstärken. Selbst wenn es nur durch das Betrachten ist, dieser großen, runden Scheibe die so mächtig am Himmel entlangzieht und uns alle doch irgendwie seit unserer Kindheit begleitet.
Nimm dir gerne etwas Zeit, zünde eine Kerze an und nun, die meisten die hier lesen vermuten wahrscheinlich was nun kommt, zünde ein Räucherkraut und lass dich darauf ein was so kommt.
Was wächst in dir? Was ist dir vielleicht noch nicht wirklich bewusst, aber klopft leise an? Was will wachsen?

Mein bevorzugtes Räucherkraut gerade ist die Minze. Sie klärt, schenkt Energie und hilft bei Neuanfängen. Dabei ist die Minze nicht subtil. Sie kommt eher mit einem Paukenschlag daher. Marlies Bader schreibt: „Wie ein kalter Gebirgsbach. Ein kleiner Schock, der das Unterbewusstsein schließt und uns ins Hier und Jetzt holt.“
In das Hier und Jetzt in dem unser Leben in seiner schönsten Form weiter wachsen darf.
Auf ein glückliches Imbolc.