Warum ich über Hoffnung schreibe
Ein Gespräch über Ressourcen.
Was stärkt dich?
Vieles kam zusammen: Musik, Singen, Tanzen, Wandern. Natur, Tiere, Geduld.
Und dann fiel das Wort „Hoffnung“ – und mir stellten sich die Haare auf.
Für viele mag sie sich wie das Licht am Ende des Tunnels anfühlen. Etwas, das nach vorne zeigt, dich stärkt, dir Sinn gibt.
Ich empfinde die Hoffnung als falsche Freundin – ein schöner Schein, der oft nicht hält, was er verspricht, und dich auf eine ferne Zukunft vertrösten will, in der dann „hoffentlich“ alles besser wird.
Was die Hoffnung nicht alles verspricht: Gesundheit, wenn du nur dies oder das tust.
Endlich anerkannt zu sein, wenn du nur die Karriereleiter weit genug hinaufsteigst.
Kinder, die im Leben das verwirklichen, was du dir wünschst.
Ein Partner, der sich nach 15 Jahren bestimmt doch noch ändern wird – und vielleicht am Ende sogar das Paradies.
Ihr merkt schon: Ich hab’s nicht mit der Hoffnung.
Mir ist sie zu flüchtig, zu sehr in der Zukunft. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass Hoffnung oft auch ganz viel mit unseren eigenen Vorstellungen zu tun hat – unserer Idee, wie etwas oder jemand sein sollte.
Ein Wort, das sich für viele wie ein Licht anfühlt, ist für mich ein Versprechen, das nie eingelöst wurde. Hoffnung – das klingt nach etwas, das trägt und Sinn gibt. Aber ich spüre bei diesem Wort vor allem Leere. Denn Hoffnung war für mich nie eine verlässliche Ressource – eher ein zarter Faden in die Zukunft, der oft riss, wenn ich ihn am meisten brauchte.
Hoffnung bei den alten Griechen
Auch Pandora kann etwas über die Hoffnung erzählen.
Von den Göttern erschaffen, mit allen Gaben reich ausgestattet – und dann bekommt sie diesen Krug, oder die Büchse, die sie nicht öffnen darf. Natürlich tut sie es doch.
Und was da nicht alles entweicht: Krankheit, Elend, Tod, Schmerz.
Nur eines bleibt am Boden der Büchse zurück: Elpis – die Hoffnung.
Ein Geschenk von Zeus, damit die Menschen sich an etwas klammern können?
Von jenem Göttervater, der so wütend war, dass die Menschen das Feuer hatten, dass er eigens Pandora erschuf, um sie zu bestrafen.
Oder war es vielleicht ein weiterer seiner Tricks – damit die Menschen all seine „Geschenke“ ertragen, ohne aufzubegehren?
Vielleicht ist die Hoffnung einfach nur ein weiteres Übel, das zufällig nicht aus der Kiste kam. Ein Übel, weil sie die Menschen an etwas bindet, das noch nicht ist – und vielleicht auch nie kommt.
Weil sie vom Jetzt auf ein Irgendwann vertröstet.
Hoffnung aus Sicht der Philosophie & Psychologie
Auch die Philosophie hat der Hoffnung ein ambivalentes Zeugnis ausgestellt.
Nietzsche misstraute ihr zutiefst. Für ihn war sie das „übelste der Übel, weil sie die Qual verlängert“.
Auch der Stoizismus sieht Hoffnung kritisch – als einen Zustand, der an eine ungewisse Zukunft gebunden ist, während das Jetzt unberücksichtigt bleibt.
Die Psychologie hingegen gibt ihr mehr Raum.
Hoffnung wird hier oft als Motivation verstanden – als innerer Antrieb, weiterzugehen.
Aber was, wenn der Weg nicht weitergeht?
Wenn alle Strategien versagen?
Wenn du das Gefühl hast, du stehst in einem brennenden Haus – und jemand sagt: „Hoffe einfach, dass es von selbst gelöscht wird.“
Hoffnung vs. Akzeptanz – ein innerer Wendepunkt
Für mich ist die Akzeptanz die bessere Freundin.
Statt des hoffenden „Bestimmt wird es gut“ – die Akzeptanz dessen, wie es jetzt gerade ist.
Das Annehmen des Guten und auch des Schlechten.
Das heißt nicht aufgeben.
Und auch nicht, dass ich Dinge, die mir nicht gefallen, nicht versuche zu ändern – wenn es in meiner Macht steht.
Aber ich kann nicht alles ändern.
Und für mich funktioniert es besser, manchmal davon auszugehen, dass es kein Happy End gibt, dass nicht alles gut wird – und dass es manchmal eben doch das Ende ist.
„Happiness is a function of accepting what is“, zitiert Dieter Lange.
Da bin ich bei ihm.